MLB Preview – 2026
Inhalt
Liebe Baseballgemeinde, das WBC ist Geschichte und die MLB-Saison 2026 steht kurz vor der Tür. Ich will hier auf dem Blog eine kleine, kompakte Vorschau auf die Saison 2026 liefern. Eine ausführliche Vorschau in Podcastform findet ihr bei Just Baseball. Das hier soll eine Vorschau aus der Vogelperspektive sein und ich will das Ganze wie immer kompakt halten. Da mein Team, die Giants, in der National League spielen, werde ich auch mit der National League beginnen. Es geht also endlich wieder los und auch hier auf dem Blog wird es nun wieder regelmäßig, jeden Montag, einen Artikel geben. Wenn ihr den nicht verpassen wollt, könnt ihr gerne den Newsletter (Link unten) oder den RSS-Feed abonnieren.
Allgemeines
Automated Ball-Strike System (ABS)
Zur neuen Saison wird es auch in der MLB einen Videobeweis geben, und zwar in der Form des Automated Ball-Strike Systems. Das heißt, Balls und Strikes können von den Spielern gechallenged werden. Dafür nutzt die MLB das Hawk-Eye System.
In der MLB dürfen ausschließlich der Batter, der Pitcher oder der Catcher einen Ball-Strike-Call anfechten, indem sie unmittelbar nach der Entscheidung des Umpires auf ihre Kappe oder ihren Helm tippen. Jedes Team erhält pro Spiel zwei Challenges und verliert eine Challenge nur dann, wenn der ursprüngliche Call nach der Überprüfung bestätigt wird. In Extra Innings erhält jedes Team eine zusätzliche Challenge, allerdings nur dann, wenn es zu Beginn des jeweiligen Extra Innings keine mehr besitzt. Die Entscheidung, eine Challenge einzulegen, müssen die Spieler eigenständig treffen, ohne Tipps oder Hinweise aus dem Dugout.
Eine interessante Entwicklung ist jetzt schon absehbar. Die Definition der Strike Zone basiert auf der Körpergröße der Spieler. Dabei handelt es sich um ein zweidimensionales Rechteck, das in der Mitte der Home Plate positioniert ist. Die Breite entspricht genau der Breite des Home Plate, also 17 Inches (ca. 43 cm). Die vertikalen Grenzen sind individuell auf jeden Spieler zugeschnitten. Die obere Grenze sind 53,5 % der gemessenen Körpergröße des Batters (ohne Schuhe) und die untere Grenze 27 %. Jeder Spieler wird im Spring Training von unabhängigen Testern mit einem standardisierten Verfahren vermessen, und die MLB zertifiziert die offizielle Körpergröße, bevor ein Spieler in einem regulären MLB-Spiel eingesetzt werden darf. Allerdings haben sich die Größen in den offiziellen Spielerstatistiken schon verändert und viele Spieler sind geschrumpft... Außerdem hatte bisher jeder Umpire eine etwas andere Strike Zone. Es wird interessant zu sehen sein, wie sich die Umpires und das ABS-System im Zusammenspiel mit den Spielern verhalten und wer wann welche Taktik für die Challenges auswählt.
Besonderheiten im Spielplan
Am Mittwoch spielen die Yankees bei den Giants in der neu eingeführten „Opening Night" als einziges Spiel an diesem Tag. Am Donnerstag folgen dann die anderen Teams mit ihren ersten Spielen am Opening Day. Das Rivalry Weekend ist dieses Jahr am 15.–17. Mai angesetzt. Die Mexico City Series wird dieses Jahr am 25. und 26. April stattfinden in der die Diamondbacks gegen die Padres im Estadio Alfredo Harp Helú spielen. Das 96. All-Star Game findet am 14. Juli im Citizens Bank Park in Philadelphia statt. Auch wird es dieses Jahr wieder ein Field of Dreams Game geben. Es findet am 13. August statt und die Phillies spielen gegen die Twins. Die Subway Series wird dieses Jahr anlässlich des 25. Jahrestages der Anschläge vom 11. September am 11.–13. September im Yankee Stadium ausgetragen.
National League
Kommen wir nun aber zur Vorschau auf die einzelnen Divisionen, zuerst die National League.
NL East
Die NL East war letztes Jahr dramatisch, denn die Mets sahen lange Zeit wie der sichere Sieger der Division aus, doch sie verloren den 21-Spiele-Vorsprung von Mitte der Saison und schlossen die Saison mit einer Bilanz von 83-79 ab, was den Phillies ermöglichte, die Division zu gewinnen. Die Wildcard erhielten statt den Mets dann, wegen des schlechteren Tiebreakers, die Reds.
Die Mets waren in der Offseason sehr aktiv, haben aber immer noch ihre Stars Francisco Lindor und Juan Soto langfristig unter Vertrag. Verstärkt haben sie sich mit Bo Bichette von den Blue Jays, der allerdings auf die 3B wechseln muss, da Lindor natürlich die Shortstop-Position bekleiden wird. Außerdem haben sie sich im Pitching unter anderem mit Freddy Peralta von den Brewers und Devin Williams verstärkt. Verloren haben sie OF Brandon Nimmo und 2B Marcus Semien via Trade an die Texas Rangers sowie RP Edwin Díaz an die Dodgers. Die Payroll der Mets ist im Vergleich zu den letzten Jahren geschrumpft, was ihnen eventuell Spielraum zur Trading Deadline gibt.
Die Phillies auf der anderen Seite blieben weitestgehend zusammen, gaben nur Nick Castellanos an die Padres ab, verlängerten den Vertrag mit Kyle Schwarber um fünf Jahre und holten sich Anfang März Pitcher Jesús Luzardo. Der Kern des Teams, bestehend aus Harper, Turner, Schwarber und Realmuto, kommt aber langsam in die Jahre, denn sie sind alle auf der falschen Seite der 30. Wenn sie weiterhin so performen wie gewohnt, sind sie allerdings weiterhin im Favoritenkreis der NL East und auch der gesamten NL. Vielleicht ist das dann auch der letzte große Run mit dem aktuellen Core.
Neben den Phillies und den Mets mischen die Atlanta Braves noch kompetitiv in der Division mit. Die letzten beiden Saisons der Braves waren geprägt von Verletzungen, die den eigentlich guten Kader ausgebremst haben. Und leider beginnt auch die neue Saison schon wieder mit einer Verletzung, denn Spencer Schwellenbach muss sich einer Tommy-John-Operation unterziehen, die ihn auf jeden Fall die 2026er Saison kosten wird, und Spencer Strider ist auch auf der IL. Verstärkt haben sich die Braves mit Mike Yastrzemski (forever Giant), was sich jetzt nach der Dopingsperre von Jurickson Profar als smarter Move herausstellt. Außerdem kamen fürs Pitching Robert Suarez und Raisel Iglesias (Closer). Sollten die Braves gesund bleiben, bleibt zu hoffen, dass sie ihr Potenzial endlich ausschöpfen können und mit den Mets und Phillies um den Divisionsieg kämpfen können oder zumindest um eine Wildcard mitspielen.
Die Marlins und Nationals stehen beide im Rebuild, wobei die Marlins schon etwas weiter sind und bei ihnen Sandy Alcantara nach einer Tommy-John-Operation zurückkommt. Ende letzten Jahres hatten sie auch eine gute Phase, die sie auf Platz 3 der Division brachte. Die Nationals stehen, mal wieder, ganz am Anfang. Sie haben ihr Front Office neu aufgestellt, allerdings wartet man bei den Nationals schon seit ihrem Titel 2019 darauf, dass es wieder aufwärts geht.
NL Central
In der NL Central standen letzte Saison die Brewers vor den Cubs. Die Brewers beeindruckten mit einer 14-Spiele-Siegesserie, die sie letztendlich auch auf Platz 1 katapultierte. Die Cubs sicherten sich Platz 1 im Wildcard-Race.
Der Favorit für dieses Jahr auf den Divisionssieg dürften wohl die Chicago Cubs sein. Sie haben zwar Kyle Tucker an die Dodgers verloren, aber ihr Infield mit Nico Hoerner, Alex Bregman (der neu dazu kommt), Michael Busch und Dansby Swanson ist ligaweit top. Auch das Outfield mit PCA, Seiya Suzuki und Ian Happ muss sich vor keiner Konkurrenz verstecken. Das Starting Pitching ist mit Shota Imanaga, Matthew Boyd, Cade Horton und Edward Cabrera nicht von schlechten Eltern. Einzig der Bullpen wurde einmal auf links gedreht, da bleibt abzuwarten, ob sich das gelohnt haben wird.
Der größte Konkurrent der Cubs um den Divisionssieg werden natürlich wieder die Brewers sein. Wie letztes Jahr überzeugen die Brewers durch smartes Rosterbuilding und den einen oder anderen Star. So ein Star ist zum Beispiel Leftfielder Jackson Churio, der mit Venezuela gerade das WBC gewonnen hat. Auf Second Base spielt Bryce Turang, auch einer der besten Second Basemen der Liga. Auf Third Base haben sie sich mit Free Agent Luis Rengifo verstärkt. Als einzigen Abgang haben sie Freddy Peralta zu verkraften, der zu den Mets getradet wurde. Somit haben sie kein klares Ace mehr in der Rotation, die aus Woodruff, Misiorowski, Patrick, Harrison und Ashby besteht. Die Brewers haben das ligaweit beste Farmsystem, was ihnen zur Trade Deadline helfen könnte, weitere Verstärkung zu holen. Sie spielen auch regelmäßig besser als prognostiziert, daher wird der Kampf um die Spitze der Division sicher spannend.
Die Cincinnati Reds haben zwar mit Elly De La Cruz (auf Shortstop) einen der spektakulärsten Spieler der Liga, können ihm aber kein Team zur Seite stellen, das für Größeres reicht. Sie haben sich dieses Jahr mit Eugenio Suárez verstärkt, der 2025 49 Homeruns schlug. Im Great American Ballpark, der als hitterfreundlich gilt, ist das sicher ein Plus. Die Offensive konnte allerdings davon nicht profitieren und ist nur die #21 der MLB. Im Pitching müssen sie den Ausfall von Hunter Green verkraften, der nach einer Ellenbogen-OP 12–16 Wochen ausfällt. Die Rolle des Ace wird bis dahin wohl Andrew Abbott übernehmen.
Auch in der NL Central befinden sich zwei Teams in verschiedenen Phasen des Rebuilds. Die Pirates stecken schon lange im Rebuild und haben mit Paul Skenes einen der besten Pitcher im Roster und mit Connor Griffith das #1-Prospect der Liga im Farmsystem. Sie haben sich auch mit Marcell Ozuna und Brendan Lowe verstärkt. Es geht also in die richtige Richtung. Bei den Cardinals sieht das dagegen ganz anders aus, denn sie haben alles eingerissen und fangen klassisch von vorne an. Die meisten Spieler sind selbst gedraftet und sie haben mit Chaim Bloom einen neuen President of Baseball Operations der diesen Rebuild moderieren soll.
NL West
Kommen wir nun also zur NL West. Die Dodgers sind World Series Champions und haben die Division letztes Jahr wieder einmal gewonnen und sind auch dieses Jahr klarer Favorit. In der Offseason sind sie nur noch besser geworden, ohne zu viel junges Talent aufgeben zu müssen. Ihr Farmsystem ist die #4 ligaweit. In der Offseason haben sie außerdem Kyle Tucker und Edwin Díaz verpflichtet. Nach zwei World Series Titles in den letzten beiden Jahren können sie das erste Team seit den Yankees werden, welches einen Threepeat schafft. Mehr gibt es eigentlich schon nicht über die Dodgers zu sagen, deren einziges Problem sein könnte, durch die Regular Season zu cruisen und dann zu den Playoffs nicht rechtzeitig wieder die nötige Ernsthaftigkeit zu finden.
Letztes Jahr wurden die Padres Zweiter in der Division und qualifizierten sich über die Wildcard für die Playoffs. Manny Machado und Fernando Tatis Jr. stehen weiterhin langfristig unter Vertrag und sind die Eckpfeiler der Offense. Außerdem haben sie sich mit Nick Castellanos von den Phillies und Sung-Woo Song aus der KBO verstärkt und Michael King für weitere drei Jahre unter Vertrag genommen. Ihr GM AJ Preller musste allerdings durch seine vielen Moves zur Trade Deadline viele Prospects abgeben, was zu einem ausgedünnten Farmsystem geführt hat (#30). Allerdings ist Preller immer kreativ und nicht zu schade, Risiko einzugehen. Es wird also interessant werden, welche Moves zur Deadline hier gemacht werden.
Dritter in der Division wurden letztes Jahr die Giants. Sie holten sich damals vor der Trade Deadline Rafael Devers, nur um dann an der Deadline zwei ihrer besten Reliefpitcher abzugeben. Das größte Fragezeichen bleibt die Pitching-Tiefe. Sie haben zwar ein Cy-Young-Kaliber-Ace mit Logan Webb, der konstant 200 IP abliefert, danach fällt die Qualität aber schon ab und es ist unklar, wie sich die neuen Pitcher einfügen werden. Zu allem Übermaß benötigt ihr junger Pitcher Haiden Birdsong eine Tommy-John-Operation und fällt bis Mitte 2027 aus. Außerdem haben sich die Giants mit Luis Arráez (2B) und Harrison Bader (CF) verstärkt. Beide sind aber leider nur auf jeweils einer Seite des Balls Elite. Die linke Seite des Infields ist mit Adames und Chapman offensiv wie defensiv stark besetzt. Auf der rechten Seite spielen Devers und eben Arráez. Ihr Nummer-1-Prospect Bryce Eldridge wird die Saison wieder in AAA beginnen – sie wollen nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholen und ihre Prospects verheizen. Mit Tony Vitello haben die Giants auch einen neuen Manager, der ohne Major-League-Erfahrung direkt vom College zu ihnen kommt. Mal sehen, wie er durch seine erste Big-League-Saison navigieren wird. Ich hoffe sehr, dass es für die Giants bergauf gehen wird, bin aber skeptisch, was das Pitching angeht.
Die Diamondbacks sind für mich irgendwie der Inbegriff der grauen Maus der Liga. Sie haben zwar Corbin Carroll, der zuverlässig produziert und der Superstar des Teams ist, und Ketel Marte auf 2B, haben aber auch Nolan Arenado von den Cardinals geholt, was sich mir nicht ganz erschließt. Im Pitching haben sie Ace Merrill Kelly, und Zach Gallen kehrte zurück, nachdem er erfolglos die Free Agency getestet hatte. Alle Prognosen gehen davon aus, dass die Giants und D-Backs um den dritten Platz in der NL West kämpfen werden, mal sehen, wer sich da am Ende durchsetzt oder wer zur Trade Deadline noch einen Move machen kann.
Und dann sind da noch die Rockies. Sie hatten letztes Jahr 43 Siege und haben mit Paul DePodesta einen neuen Mann an der Spitze, der hoffentlich dafür sorgen wird, dass im schönsten Stadion der Liga wieder besserer Baseball gespielt wird.
American League
Die American League ist bei mir nicht so sehr im Fokus, ich habe nur die Blue Jays seit meiner Zeit in Kanada etwas im Blick. Aber versuchen wir uns mal an einem Überblick.
AL East
Die AL East haben letztes Jahr die Blue Jays vor den Yankees, den Red Sox, den Rays und den Orioles gewonnen. Dieses Jahr ist die AL East wieder ein Powerhouse. FanGraphs projiziert alle fünf Teams über .500, und die vier Spitzenteams liegen zwischen 84 und 87 Siegen, sodass es schwierig ist, einen Divisionssieger zu tippen.
Die New York Yankees beginnen die Saison ohne ihre beiden Aces: Gerrit Cole sollte im Mai oder Juni von seiner Tommy-John-Operation zurückkommen, Carlos Rodón kommt Ende April oder Anfang Mai zurück. Bis dahin trägt Max Fried die Rotation und ist Opening-Night-Starter gegen die Giants. Cam Schlittler, Will Warren und Luis Gil sorgen für die Tiefe in der Rotation. Ansonsten ist das Lineup nahezu identisch mit dem Vorjahr und besteht unter anderem aus Aaron Judge, Giancarlo Stanton (nach verletzungsreduziertem Vorjahr wieder fit), Jazz Chisholm Jr. und Cody Bellinger. Das Bullpen mit David Bednar als Closer und Camilo Doval ist solide. Wenn Cole im Sommer gesund zurückkommt, ist diese Rotation potenziell die beängstigendste in der AL. Aber Cole und Rodón müssen dann nach der Verletzung auch erst wieder voll in Gang kommen.
Die Toronto Blue Jays kommen als amtierende AL-Pennant-Sieger in die neue Saison, haben letztes Jahr mit ihrem Face-of-the-Franchise Vladimir Guerrero Jr. langfristig verlängert, aber Bo Bichette zu den Mets verloren, der eine Lücke im Infield hinterlässt. Anthony Santander fällt nach einer Schulter-OP fast die gesamte Saison aus, und Top-Pitcher-Prospect Trey Yesavage fehlt mit einem Schulter-Impingement zum Start. Das ist zum Start keine optimale Ausgangslage für die angestrebte Titelverteidigung in der AL East. Auf der anderen Seite kam Kazuma Okamoto für vier Jahre aus der NPB, wo er sechs Jahre in Folge mindestens 30 Home Runs schlug. Kevin Gausman und Dylan Cease bilden ein starkes Duo an der Spitze der Rotation, und Evergreen Max Scherzer peilt ein Comeback im Laufe der Saison an.
Die Boston Red Sox haben sich in der Offseason verstärkt, um wieder oben in der AL East mitzumischen. Garrett Crochet bildet zusammen mit Ranger Suárez als Nummer 2 die Spitze der Rotation. Sonny Gray, Brayan Bello und Johan Oviedo vervollständigen einen Staff, dem man kaum eine klare Schwachstelle vorwerfen kann. Das Lineup dreht sich um Roman Anthony, dessen erste volle MLB-Saison in Boston mit großer Spannung erwartet wird. Beim WBC hat er neben Judge und Harper gespielt und schlug 2 Homeruns. Willson Contreras soll als erfahrener Run Producer auf der First Base liefern, Caleb Durbin (von den Brewers) besetzt die Third Base, Marcelo Mayer die 2B und Trevor Story die SS.
Die Baltimore Orioles brauchen in diesem Jahr ein Rebound-Jahr im Vergleich zu 2025. Ein 75-87-Finish in der Division war ein harter Dämpfer für ein Team, das sich schon weiter wähnte. Das Front Office hat im Winter darauf reagiert und Pete Alonso (42 Home Runs 2025) nach Baltimore gelockt, der die Offense sofort besser macht. Außerdem kam Taylor Ward per Trade von den Angels. Gunnar Henderson und Adley Rutschman bleiben der Kern einer jungen Mannschaft, die ihr Talent 2025 nicht ausschöpfte. Das Pitching wird von Kyle Bradish angeführt, der von einer Tommy-John-Operation zurückkommt. Shane Baz und Chris Bassitt wurden als erfahrene Arme hinzugeholt, Ryan Helsley soll als Closer agieren.
Die Tampa Bay Rays schließlich befinden sich im Rebuild, kehren aber für die Saison 2026 ins renovierte Tropicana Field zurück und müssen nicht mehr bei 40 Grad in einem Minor-League-Park spielen. Junior Caminero hat beim WBC gezeigt, welches Potenzial in ihm steckt, und er wird der Anker sein, um den Tampa Bay in den nächsten Jahren neu aufgebaut wird. Für 2026 werden sie als Divisionsletzter gesehen.
AL Central
Die AL Central schienen die Detroit Tigers letztes Jahr zu gewinnen, doch die Guardians holten sich den Divisionssieg auf den letzten Metern noch, nur um dann in der Wildcard-Serie gegen die Tigers zu verlieren.
Die Tigers sind dieses Jahr der klare Favorit auf den Divisionssieg und setzten in der Offseason alles auf eine Karte, denn es ist Tarik Skubals letztes Vertragsjahr vor der Free Agency. Für 2026 und eventuell als Ersatz für Skubal, sollte er die Tigers in Richtung Dodgers verlassen, haben sie sich Framber Valdez für drei Jahre und 115 Millionen Dollar geholt. Damit bilden sie einen 1-2-Punch, der in der AL seinesgleichen sucht. Dazu kamen Gleyber Torres auf der Second Base, Kyle Finnegan als Setup-Man, und Justin Verlander für ein Jahr, der mit einem Sweeper-Pitch im Gepäck seine Mentorrolle übernehmen soll. Das Bullpen ist womöglich das tiefste der gesamten Liga, angeführt von Kenley Jansen als Closer. In der Offense haben die Tigers keinen echten Superstar, und Javier Báez auf Shortstop bleibt die Unsicherheit in Person.
Direkt dahinter lauern die Kansas City Royals, die endlich den nächsten Schritt gehen müssen bzw. wollen. Bobby Witt Jr. ist ein potenzieller MVP-Kandidat, dem eine 40-40-Saison durchaus zuzutrauen ist, und das Infield mit Witt, Vinnie Pasquantino und Michael García gehört defensiv zur Spitze der American League. In der Offense kam Isaac Collins von den Brewers, Starling Marte wurde verpflichtet und Lane Thomas ist neu dabei. Zusätzlich haben sie die Dimensionen im Kauffman Stadium verändert: Die Foul-Linien-Wände rücken um drei Meter näher und die Höhe des Outfield-Zaunes sinkt von zehn auf achteinhalb Fuß, was ihnen in der Offense helfen soll. Das Pitching mit Seth Lugo, Cole Ragans und Michael Wacha ist solide, das Bullpen wurde mit Matt Strahm, Nick Mears und Alex Lang verstärkt. Carlos Estévez bleibt als Closer.
Die Cleveland Guardians sind das ewige Rätsel der Division. Seit 2013 haben nur die Yankees und die Dodgers mehr Regular-Season-Siege angehäuft, und das mit ganz anderen finanziellen Mitteln. Dass sie 2025 einen 15,5-Spiele-Rückstand noch aufgeholt und die Division gewonnen haben, lässt sich auch aus den Statistiken nicht ableiten. Sie waren 28. in Runs Scored und 29. in On-Base Percentage. Trotzdem wurde Steven Vogt zweifacher AL Manager of the Year. Außerdem haben sie José Ramírez mit einem neuen Sieben-Jahres-Vertrag ausgestattet, und er bleibt weiterhin einer der besten Third Basemen der gesamten MLB. Travis Banzana, der Nummer-1-Draftpick des letzten Jahres, wird in diesem Jahr sein Big-League-Debüt geben. Die Rotation mit Gavin Williams, Tanner Bibee und Joey Cantillo ist respektabel, das Relief-Pitching traditionell eine Stärke. Verstärkungen in der Offense gab es jedoch keine.
Am anderen Ende der Tabelle stehen die Chicago White Sox und die Minnesota Twins, beide werden mit den Playoffs wohl nichts zu tun haben. Chicago hat die schlimmsten Jahre hoffentlich hinter sich und zeigt endlich erkennbaren Fortschritt. Mit Munetaka Murakami aus der NPB, Kyle Teel als Catching-Talent der Zukunft und Seranthony Domínguez als Closer hat man die Basis für einen Wiederaufbau gelegt. 70 Siege wären der nächste Schritt nach vorne, und die Franchise, die bald einen neuen Besitzer bekommt, zeigt erstmals seit Jahren eine kohärente Richtung. In Minnesota ist dagegen keine Richtung erkennbar, bzw. stehen sie am Anfang des Rebuilds, nachdem sie zur letztjährigen Trade Deadline das halbe Team veräußert haben. Pablo López fällt durch eine Tommy-John-Operation die gesamte Saison aus, Rocco Baldelli ist nicht mehr da, und ein Übergangsjahr unter Derrick Shelton wartet. Royce Lewis und Byron Buxton müssen das Team tragen, sollten sie gesund bleiben.
AL West
In der AL West standen letztes Jahr die Mariners an der Spitze und sie sind auch dieses Jahr wieder Favorit auf den Divisionssieg. Cal Raleigh scheiterte beim MVP-Voting nur knapp an Aaron Judge. In der Offseason haben sie sich mit Brendan Donovan (Fun Fact: Er wurde in Deutschland geboren) von den Cardinals verstärkt und gleichen somit den Abgang von Eugenio Suárez aus. Außerdem haben sie Josh Naylor langfristig gebunden, sodass der Kern, der letztes Jahr nur knapp in der ALCS an den Blue Jays scheiterte, zusammenbleibt. Außerdem haben sie mit Luis Castillo, Logan Gilbert und George Kirby absolute Top-Pitcher an der Spitze der Rotation. Das Lineup ist mit Cal Raleigh (mit einem projizierten WAR von 8,1), Julio Rodríguez, Randy Arozarena und Brendan Donovan absolut top besetzt. Kein Spieler im gesamten Lineup ist unter einem projizierten WAR von 3,0 eingestuft. Der Divisionssieg in der AL West geht also nur über die Mariners.
Um die Houston Astros ist es im letzten Jahr irgendwie etwas still geworden. Der einzige Aufschrei kam, als Framber Valdez seinen Catcher abwarf. Das mögen Fans der Astros jetzt ein wenig anders sehen (Dominic?), aber am Ende verpassten sie 2025 die Playoffs. Der Roster kommt langsam in die Jahre, was auch die Fehltage durch Verletzungen in die Höhe schnellen lässt. Dafür kam Tatsuki Imai für drei Jahre und 54 Millionen Dollar aus Japan, was sich als ausgesprochen gutes Preis-Leistungs-Verhältnis erweist. Hunter Brown bleibt das Ace. José Altuve kehrt von Left Field zurück auf seine angestammte Second Base, was allein schon eine defensive Verbesserung bedeutet. Yordan Alvarez und Jeremy Peña bleiben die offensiven Ankerpunkte. Das Bullpen mit Josh Hader und Bryan Abreu für das achte und neunte Inning ist nach wie vor eine Bank. Sie werden wohl um eine Wildcard mitspielen.
Die Texas Rangers besitzen hinter Seattle das beste Starting Pitching der Division: Jacob deGrom, Nathan Eovaldi, Mackenzie Gore, Jack Leiter und Jordan Montgomery (nach Tommy-John-Operation, kommt im April zurück) bilden eine Rotation, die 2025 den niedrigsten ERA der gesamten Liga hatte. Das Problem bleibt dasselbe wie letztes Jahr. Die Offense war 2025 die viertschlechteste der Liga nach OBP, AVG und OPS, und der Winter hat daran wenig geändert. Brandon Nimmo für Marcus Semien zu traden ist ein Schritt, der sich wohl erst im Laufe der Saison beweisen muss. Neuer Manager ist Skip Schumacher, der auf Bruce Bochy folgt, und er setzt auf Small-Ball, was bei offensiver Schwäche vermutlich recht smart ist. 2025 hatten die Rangers 134 gestohlene Bases, was ligaweit Platz 1 war.
Die Athletics bauen weiter für ihre Zukunft in Las Vegas vor. Nick Kurtz (AL Rookie of the Year), Jacob Wilson, Lawrence Butler und Tyler Soderstrom sind alle langfristig gebunden, und das Lineup macht bereits jetzt richtig viel Spaß. Das Pitching ist schlicht zu schlecht, um jetzt schon an die Divisionsspitze zu schielen. Die Los Angeles Angels bleiben strukturell das schwächste Team der Division und können Mike Trout kein kompetitives Team zur Seite stellen, auch wenn er nicht mehr der Spieler von einst ist. Immerhin haben sie sich mit Anthony Rendon auf eine Restrukturierung seines Vertrags geeinigt, er bekommt sein Gehalt nun über die nächsten drei bis fünf Jahre ausgezahlt. Hoffentlich ist das der Startschuss für eine positive Zukunft.
Fazit
Diese Preview ist nun mit fast 4.000 Wörtern doch länger geworden als geplant, aber wenn man nur die wichtigsten Dinge über jedes Team schreibt, kommt doch schnell was zusammen. Ich bin gespannt, ob es für die Dodgers für einen Threepeat reicht, genug Verstärkung hätten sie jedenfalls bekommen. Bei den Tigers, Mariners, Yankees, Brewers und Blue Jays hätte sich aber auch genug Frustration angestaut, dass sie die Qualität mit Einsatz wettmachen könnten. Ich bin auch auf „meine" Giants gespannt, wie sich die Saison entwickeln wird. Spannend wird es auf jeden Fall und es wird auch dieses Jahr wieder genug Geschichten zu erzählen geben.
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