Offseason News #2

Published on 2 December 2025 by Stefan Dillinger

Liebe Baseballgemeinde, willkommen zur zweiten Edition der Offseason News. Ich versuche die aktuelle Newslage zusammen zu fassen, bevor die Teams zu den Wintermeetings zusammenkommen.

Trades / Signings

Es gab in dieser Offseason schon ein paar interessante Trades und Free Agent signings.

Dylan Cease

Die Toronto Blue Jays haben Dylan Cease mit einem Siebenjahresvertrag über 210 Millionen Dollar ausgestattet. Der Deal markiert den größten Free-Agent-Vertrag der Franchise-Geschichte und übertrifft George Springers damalige 150-Millionen-Vereinbarung deutlich. Cease, der im Dezember 30 Jahre alt wird, bringt beeindruckende Durability mit. Er absolvierte in den vergangenen fünf Saisons jeweils mindestens 32 Starts und überschritt dabei stets die Marke von 165 Innings. Mit 1.106 Strikeouts seit 2021 führt er die Majors in dieser Kategorie an, das ist eine Konstanz, die sonst nur Zack Wheeler und Kevin Gausman vorweisen können. Die Investition erscheint allerdings riskant, denn Cease verbuchte 2025 eine ERA von 4,55, wobei sein FIP bei 3,67 lag. Er lieferte zehn Starts mit vier oder mehr erlaubten Runs ab, während neun Starts mit maximal einem Run zu Buche standen. Seine Tendenz zu Walks und hohen Pitch Counts limitierte ihn auf durchschnittlich 5,25 Innings pro Start. Toronto hofft, dass Pitching Coach Pete Walker das vorhandene Potenzial besser ausschöpfen kann.

Sonny Gray

Die Boston Red Sox haben Sonny Gray von den St. Louis Cardinals für Richard Fitts, Prospect Brandon Clarke und einen Player to be named later oder Cash erworben. Gray, der vor zwei Wochen 36 Jahre alt wurde, kostet die Red Sox nach Gehaltsübernahme durch St. Louis effektiv 21 Millionen Dollar für die Luxury Tax. Seine 5,89 Strikeout-to-Walk-Ratio rangierte 2025 ligaweit auf Platz vier, seine 3,6 fWAR wären der zweitbeste Wert im Bostoner Staff gewesen. Der Deal erscheint isoliert betrachtet sinnvoll, denn Fitts brachte einen ERA+ von nur 83, Clarke hat lediglich eine Single-A-Saison absolviert. Problematisch wird die Bewertung aber im größeren Kontext. Breslow,Chief Baseball Officer der Red Sox, hatte einen zweiten Frontline Starter als Priorität definiert, aber Gray erfüllt diese Rolle nur bedingt. Sein ERA+ lag 2025 mit 96 unter Ligaschnitt, und er erlaubte 25 Home Runs. Die Qualität des Trades hängt maßgeblich davon ab, ob Boston weitere Verstärkungen für Rotation und Lineup folgen lässt.​​​​​​​​​​​​​​​​

Taylor Ward

Die Orioles setzen in dieser Offseason klar auf mehr Offensive gegen Lefties und sind sehr aktiv auf dem Trademarkt. Der Trade von Grayson Rodriguez für Taylor Ward ist eine überraschende, aber strategisch nachvollziehbare Entscheidung. Rodriguez zeigte in 2024 mit einem 3.86 ERA über 20 Starts zwar eine positive Entwicklungsrichtung, war jedoch seit August 2024 nicht mehr einsatzfähig. Die Ausfallzeiten machten eine Planung für 2026 kaum realistisch. Ward liefert dagegen sofortigen Value, insbesondere mit seinem .262 AVG und .918 OPS gegen LHP sowie 36 HR, 103 RBI und einem .792 OPS in 2025. Er stabilisiert das Corner-Outfield und erlaubt eine klarere Rollenzuteilung um Colton Cowser im Center Field. Die Offensive der O’s, die 2025 nur Rang 23 in AVG (.231) und 22 in OPS (.661) gegen Lefties belegte, erhält damit dringend benötigte Balance.

Trent Grisham

Trent Grisham nimmt das $22.025 M Qualifying Offer der Yankees an und bleibt damit 2026 in der Bronx, obwohl sein Breakout-Jahr mit 34 HR, .348 OBP und einem 14.1 % Walk Rate eigentlich die Chance auf einen langfristigen Vertrag bot. Die Entscheidung wirkt wie ein klassischer „Bet on Yourself“-Move, zumal seine Power nicht vom Yankee Stadium abhängig war (.254/.364/.506 auswärts). Trotz defensiver Rückschritte bleibt er der Center Fielder mit dem besten Track Record im Kader und ergänzt ein Outfield um Dominguez und Judge, während die Pursuits von Cody Bellinger oder Kyle Tucker laut Brian Cashman unverändert bleiben. Mit dem akzeptierten QO steigt die Payroll der Yankees auf etwa $263 M, der Luxussteuerwert auf $286 M. Für den Markt bedeutet Grishams Verbleib den Verlust der stärksten verfügbaren Center-Field-Option, wodurch Teams vermehrt auf Trades ausweichen müssen.

Brandon Nimmo / Marcus Semien

Die New York Mets haben Brandon Nimmo und Cash an die Texas Rangers für Marcus Semien getauscht und damit ihren langjährigen Core umgebaut. Nimmo, der dienstälteste Met mit acht Jahren, und 162 Millionen Dollar Restvertrag, verlässt Queens nach zehn Saisons. Semien, 35 Jahre alt, bringt Gold-Glove-Defense, nachdem er 2023 mit 7,7 WAR, 29 Home Runs und einem OPS von .826 als Dritter im AL-MVP-Voting endete. Die letzten beiden Saisons fielen schwächer aus, doch seine Präsenz ermöglicht den Mets strategische Optionen: Jeff McNeil oder Prospect Carson Benge könnten Left Field übernehmen, alternativ streben sie Free Agents wie Kyle Tucker oder Cody Bellinger an. Nimmo zeigte 2025 eine seiner schwächsten Defensivsaisons, nachdem er seit 2023 konstant 23 bis 25 Home Runs produzierte. Der Deal beendet eine Ära des Core um Nimmo, McNeil, Francisco Lindor und Pete Alonso, der seit 2021 außer dem NLCS-Run 2024 trotz massiver Payrolls nur ein weiteres Playoff-Game gewann.

Josh Naylor

Die Seattle Mariners haben First Baseman Josh Naylor mit einem Fünfjahresvertrag über 92,5 Millionen Dollar ausgestattet und damit ihre offensichtlichste Schwachstelle nachhaltig adressiert. Der 28-Jährige, zur Trade Deadline von Arizona nach Seattle gekommen, lieferte in 54 Spielen für die Mariners überzeugende Zahlen ab: .299/.341/.490 mit neun Home Runs und einer perfekten 19-für-19-Bilanz bei Stolen Base Attempts. Besonders bemerkenswert ist diese Basepath-Dominanz, da Naylor zu den langsamsten Läufern der Liga zählt. Seine aggressive Baserunning-Technik mit großem Lead kompensierte diese physische Limitation vollständig. Über die komplette Saison 2025 hinweg produzierte Naylor solide 3.1 fWAR bei .295/.353/.462 und gehörte zu den kontaktstärksten Hittern der Liga. Die No-Trade-Clause unterstreicht Seattles Commitment, nach dem überraschenden Run bis ins ALCS Game 7 den Kern um Cal Raleigh und Julio Rodriguez weiter zu verstärken. Naylor komplettiert eine Offense, die bislang konstante Produktion vermissen ließ.​​​​​​​​​​​​​​​​

Shōta Imanaga

Shōta Imanaga hat seine Player Option für 2026 angenommen und bleibt damit mindestens eine weitere Saison bei den Chicago Cubs. Die Entscheidung kam wenig überraschend, nachdem beide Parteien ihre Mutual Options zuvor abgelehnt hatten und Imanaga in der zweiten Saisonhälfte 2025 deutlich an Wert verloren hatte. Mit einem 4.70 ERA in 76.2 Innings nach dem All-Star Break und zwanzig erlaubten Home Runs zeigte der Linkshänder erhebliche Schwächen. In den Playoffs setzte sich diese Problematik mit drei weiteren Home Runs in nur 6.2 Innings fort. Die Ursache könnte in der Hamstring-Verletzung vom 4. Mai liegen, von der sich Imanaga möglicherweise nie vollständig erholte. Seine Fastball-Velocity sank nach der Rückkehr Ende Juni merklich um etwa eine Meile pro Stunde gegenüber seiner starken Rookie-Saison 2024. Diese physische Einbuße könnte die extreme Home-Run-Anfälligkeit erklären, auch wenn Imanaga bereits zuvor zu Longballs neigte. Nun haben die Cubs und ihr Pitching-Staff eine Saison Zeit, die mechanischen oder physischen Probleme zu identifizieren und Imanaga wieder auf sein 2024er-Niveau zu bringen.​​​​​​​​​​​​​​​​

Ryan Helsley

Die Baltimore Orioles haben den zweifachen All-Star Closer Ryan Helsley mit einem Zweijahresvertrag über 28 Millionen Dollar ausgestattet, der eine Opt-out-Klausel nach 2026 enthält. Helsley, der trotz Interesse mehrerer Teams als Starter bei seiner Reliever-Rolle bleibt, soll das neunte Inning für Baltimore übernehmen, nachdem Felix Bautista die komplette Saison 2026 nach Rotatorenmanschetten- und Labrum-Operationen verpassen wird. Mit einem Karriere-ERA von 2.96 über 319.2 Innings, 377 Strikeouts und 105 Saves bringt der 31-jährige Rechtshänder Elite-Stuff mit. Sein Fastball rangierte 2025 mit durchschnittlich 99.3 mph im 99. Perzentil aller Pitcher. Allerdings endete Helsleys Saison problematisch, denn nach dem Trade von St. Louis zu den Mets zur Deadline postete er in zwei Monaten einen 7.20 ERA und erlaubte 36 Baserunner in nur 20 Innings. Drei konsekutive Blown Saves Mitte August verbannten ihn in Low-Leverage-Situationen. Baltimore sieht diese Phase als Ausreißer und vertraut den Pitch-Quality-Metriken. Die Orioles, nach 75-87 und dem letzten Platz in der AL East dringend pitching-bedürftig, holten bereits Andrew Kittredge zurück und suchen weitere Rotation-Verstärkungen.​​​​​​​​​​​​​​​​

Devin Williams

Die New York Mets haben Reliever Devin Williams mit einem Dreijahresvertrag über 45 Millionen Dollar plus Deferrals und Boni ausgestattet. Der 31-jährige Rechtshänder kehrt damit nach einer enttäuschenden Saison bei den Yankees zurück in die National League, wo er zwischen 2019 und 2024 für Milwaukee zu den dominantesten Relievern der Liga gehörte. In sechs Brewers-Jahren produzierte Williams einen herausragenden 1.83 ERA mit 2.39 FIP über 235.2 Innings und wurde 2020 NL Rookie of the Year, nachdem er in 27.0 Innings ein 0.33 ERA aufgelegt hatte. Als zweifacher All-Star (2022, 2023) schloss er diese Saisons sowie 2024 mit ERAs zwischen 1.25 und 1.93 ab. Nach dem Trade zu den Yankees zur Deadline 2025 brach diese Konstanz jedoch ein. In 62.0 Innings postete Williams ein 4.79 ERA bei weiterhin starker 34.7 Prozent Strikeout Rate und 9.7 Prozent Walk Rate. Sein 2.68 FIP deutet auf Pech und sequencing-Probleme hin. Die Mets setzen auf Regression zur Mean und darauf, dass Williams an seine Milwaukee-Form anknüpft. Mit über 50 Millionen Dollar guaranteed investiert New York in Late-Inning-Stabilität nach dem Kollaps Ende 2025.​​​​​​​​​​​​​​​​

Managers

Washington Nationals

Letztes Mal habe ich die News über den neuen Coach der Nationals, Blake Butera, übersehen, das sei hier nun nachgereicht. Butera bringt ausschließliche aber dafür intensive Erfahrung auf Minor-League-Ebene mit. In vier Spielzeiten als Minor-League-Manager in der Organisation der Tampa Bay Rays erreichte er eine Gesamtbilanz von 258–144 Siegen. Sein jüngstes Amt war das des Senior Director of Player Development bei den Rays, weshalb man ihm bei Washington besonders seine Fähigkeit zutraut, junge Talente zu formen. Mit Buteras Verpflichtung folgt das Team der Strategie seines neuen Präsidenten für Baseball Operationen, Paul Toboni, jüngere, entwicklungsorientierte Führungsstrukturen aufzubauen. Der Wechsel markiert einen klaren Umbruch bei den Nationals. Eine Führungsriege mit vielen Jahren Erfahrung wurde durch ein junges Management-Team ersetzt. Butera steht nun vor der Aufgabe, das junge Roster zu betreuen, Vertrauen aufzubauen und mit Development-Fokus langfristige Verbesserungen zu etablieren.

Colorado Rockies

Die Colorado Rockies haben Warren Schaeffer zum permanenten Manager ernannt, nachdem der 40-Jährige die Mannschaft seit dem 11. Mai als Interim-Coach geführt hatte. Schaeffer übernahm von Bud Black, der nach einem katastrophalen 7-33-Start entlassen worden war. Die Rockies beendeten die Saison mit 119 Niederlagen, der schlechtesten National-League-Bilanz seit den 1962er Mets (120 Losses), und einem Run Differential von minus-424, dem verheerendsten Wert seit 1900. Die Rotation produzierte ein 6.65 ERA, den höchsten Wert seit Einführung der Statistik 1913, während das Team 1.021 Runs erlaubte und Auswärts mit einer Bilanz von 18-63 abschloss. Trotz dieser Zahlen sieht Baseball Operations President Paul DePodesta in Schaeffer den richtigen Leader, der starke Beziehungen zu den Spielern aufgebaut habe und die gewünschte Kultur verkörpere. Lichtblicke gab es vereinzelt: All-Star Catcher Hunter Goodman schlug .278 mit 31 Home Runs und 91 RBIs, während Gold Glove Winner Ezequiel Tovar und Brenton Doyle defensive Stabilität boten. Mit Draft-Pick Ethan Holliday (Nr. 4 overall) und Call-ups wie Zac Veen und Chase Dollander setzt Colorado auf organisches Wachstum.​​​​​​​​​​​​​​​​

Sonstiges

San Diego Padres

Die San Diego Padres könnten bald einen Besitzerwechsel erleben, denn die Seidler family prüft einen Verkauf der Franchise. Seit dem Kauf 2012 stieg die Payroll von 62,9 Mio. auf 257,2 Mio. USD im Jahr 2023. Unter der Führung der Familie qualifizierten sich die Padres vier Mal in den letzten sechs Jahren für die Playoffs. Entscheidender Auslöser für den möglichen Verkauf sind interne Streitigkeiten innerhalb der Familie, zuletzt eine Klage der Witwe Sheel Seidler gegen andere Trust-Mitglieder. Trotz der anstehenden Ownership-Frage soll der Spielbetrieb für 2026 unverändert weiterlaufen und das Payroll-Niveau stabil bleiben.

Medienrechte

Major League Baseball hat neue dreijährige TV-Verträge mit ESPN, NBC und Netflix abgeschlossen, die durchschnittlich 800 Millionen Dollar pro Jahr einbringen. ESPN zahlt weiterhin 550 Millionen Dollar, verliert aber die Postseason und das Home Run Derby, gewinnt jedoch die Out-of-Market-Streaming-Rechte für MLB.TV, das künftig in der ESPN App verfügbar sein wird. Zusätzlich erhält ESPN die In-Market-Rechte für sechs Teams, deren Produktion MLB selbst übernimmt: Padres, Rockies, Diamondbacks, Guardians, Twins und Mariners. Das Paket umfasst 30 Spiele, primär unter der Woche und in den Sommermonaten. NBC kehrt nach längerer Absenz zurück und übernimmt Sunday Night Baseball sowie die Wild Card Series für 200 Millionen Dollar jährlich. Die 25 Sunday-Night-Spiele laufen überwiegend auf NBC und dem neuen NBC Sports Network, alle streamen auf Peacock. Der erste Broadcast findet am 26. März statt, wenn die Dodgers gegen Arizona antreten. NBC komplettiert damit sein Sonntagsprogramm ganzjährig mit NFL, NBA und nun MLB. Netflix investiert 50 Millionen Dollar für das Home Run Derby, das Season-Opening am 25. März (Yankees in San Francisco) und MLB at Field of Dreams.​​​​​​​​​​​​​​​​ Wie die Rechtelage für den deutschen Markt aussieht ist mir nicht ganz klar. Das wird sich dann wohl Anfang 2026 ergeben und ich werde euch darüber informieren.

Das war es wieder für die Newslage in der MLB. Aktuell arbeite ich noch an einem "Weihnachtsartikel" und an ein paar Änderungen im Hintergrund. Dazu dann aber später mehr.

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