Baseball vor 100 Jahren - Die MLB Saison 1925

Published on 29 December 2025 by Stefan Dillinger

Liebe Baseballgemeinde, für die Offseason habe ich mir einen speziellen Artikel aufgehoben bzw. vorgenommen. Es hat zwar jetzt ein wenig länger gedauert als geplant, diesen Artikel zu schreiben, aber ich will der Frage nachgehen, wie Baseball vor 100 Jahren aussah. In diesem Fall heißt das, dass ich auf die Baseball Saison 1925 zurückschauen will.

Gesellschaftlicher und politischer Hintergrund

Baseball und die Gesellschaft befanden sich 1925 inmitten in den „Roaring Twenties“, geprägt von einer boomenden Konsumkultur. Von 1923-1929 war Calvin Coolidge der 30. Präsident der USA. Seine Amtszeit war geprägt von einer starken Wirtschaft und dem klaren Ziel, die Rolle des Bundesstaates möglichst klein zu halten. Gemeinsam mit Finanzminister Andrew Mellon setzte Coolidge drei große Steuersenkungen durch und hielt mithilfe bestehender Zollgesetze die Importzölle hoch, um amerikanische Industrie, Gewinne und Löhne zu schützen (kommt uns das bekannt vor?).

Gleichzeitig blockierte er staatliche Hilfsprogramme für Farmer, da er eine stärkere Einmischung des Staates ablehnte. Durch hohe Einnahmen und geringe Ausgaben erzielte die Regierung Haushaltsüberschüsse, wodurch die Staatsverschuldung deutlich sank. Innenpolitisch sorgte zudem das Einwanderungsgesetz von 1924 für eine stark eingeschränkte Zuwanderung.

Außenpolitisch verfolgte Coolidge eine zurückhaltende Linie. Die USA traten dem Völkerbund nicht bei, unterstützten jedoch Abrüstungsinitiativen und den Kellogg-Briand-Pakt zur Ächtung von Kriegen.

Während seiner Amtszeit war Coolidge sehr beliebt und verzichtete überraschend auf eine erneute Kandidatur. Nach seinem Ausscheiden wurde er jedoch zunehmend kritisch gesehen, da viele seine Wirtschaftspolitik mit den Ursachen der späteren Weltwirtschaftskrise in Verbindung brachten.

1925 Baseball-Saison

Die Baseball-Saison der Major League 1925 begann am 14. April 1925 und die reguläre Saison endete am 4. Oktober. Die Liga bestand auch 1925 aus zwei strikt getrennten Ligen, der American League und der National League, mit jeweils acht Teams. Interleague-Spiele existierten nicht. Playoffs, Wildcards oder Divisions gab es noch nicht, nur der jeweilige Ligameister durfte in der World Series um den Titel spielen.

Der Spielplan der 1925er Saison war entsprechend geradlinig. 154 Spiele pro Team, 22 Spiele gegen jeden der sieben Konkurrenten der eigenen Liga, meist in Serien von drei oder vier Spielen. Lange Roadtrips mit der Eisenbahn prägten den Alltag, ebenso ausgedehnte Homestands, in denen sich dieselben Matchups immer wiederholten. Genau daraus entstanden viele der Rivalitäten, die diese Ära bis heute definieren.

In der American League spielten zu dieser Zeit die Boston Red Sox, Chicago White Sox, Cleveland Indians, Detroit Tigers, New York Yankees, Philadelphia Athletics (die jetzt nach Las Vegas ziehen werden), St. Louis Browns (jetzt Baltimore Orioles) und die Washington Senators (jetzt Minnesota Twins). In der National League spielten zu dieser Zeit die Boston Braves (jetzt Atlanta Braves), Brooklyn Robins (jetzt Los Angeles Dodgers), Chicago Cubs, Cincinnati Reds, New York Giants (jetzt San Francisco Giants), Philadelphia Phillies, Pittsburgh Pirates und St. Louis Cardinals. Das größte Stadion war Yankee Stadium mit 58.000 Plätzen.

Regelseitig brachte die Saison 1925 keine großen Neuerungen, es wurde allerdings festgelegt, dass die Mindest-Homerun-Distanz 250 Fuß betragen sollte. Die Saison stand aber noch ganz im Zeichen der im Jahr 1920 eingeführten Regeländerungen. Das Ende der Deadball-Ära mit dem Verbot des Spitballs (mit wenigen Ausnahmen), der regelmäßige Austausch verschmutzter Baseballs und das strengere Vorgehen gegen manipulierte Würfe hatten das Spiel nachhaltig verändert. Pitcher verloren an Dominanz, während Schlagmänner immer stärker in den Fokus rückten. Die Zahl der Runs und Home Runs stieg, und die Stadien füllten sich wie nie zuvor.

Die Regular Season 1925

Die schillerndste Persönlichkeit des Baseballs um diese Zeit war Babe Ruth. Auch heutzutage wird er noch in Vergleichen, vor Allem mit Shohei Ohtani, erwähnt. Die 1925er Saison war seine 6. mit den New York Yankees, nachdem er 1920 von den Boston Red Sox für 125.000 US-Dollar an die Yankees verkauft wurde.

Genau dieser Babe Ruth, der gerade 30 Jahre alt geworden war, erschien im Spring Training 1925 mit einigem an Übergewicht, das Resultat eines besonders ausschweifenden Winters. Die Zeitungen berichteten von finanziellen Problemen des Sluggers, doch selbst die anstehende Regular Season und externer Druck wieder in Form zu kommen, hielten ihn nicht davon ab, seine nächtlichen Eskapaden fortzusetzen.

Im Laufe des Spring Trainings entwickelte er dann Fieber, das nicht nur nicht verschwinden wollte, sondern sogar immer schlimmer wurde. Trotz steigendem Fieber performte Ruth zunächst weiter auf höchstem Niveau mit einem Batting Average über .400 und zahlreichen Home Runs. Doch in Asheville, North Carolina, brach er dann am Bahnhof zusammen. Auf der anschließenden Zugfahrt nach New York kollabierte er erneut und Schlug dabei hart mit dem Kopf auf dem Boden auf. Die Ärzte diagnostizierten in der Folge einen intestinales Abszess, eine Operation und ein einmonatiger Krankenhausaufenthalt folgten.

Die Yankees litten massiv unter Ruths Abwesenheit. Bei seiner Rückkehr standen sie bei einer Bilanz von 15-25 und standen in den Standings nur vor den Red Sox. Ruth ignorierte allerdings die Lektionen seines Körpers und setzte seine nächtlichen Ausflüge fort. Manager Miller Huggins wirkte zunächst wie das perfekte Opfer für Ruths Späße. Doch der scheinbar humorlose Manager hatte die Yankees über acht Jahre hinweg geschickt zu einem Top Team geformt. Ende August reichte es Huggins dann und er verhängte eine $5.000-Strafe gegen Ruth. Zu dieser Zeit ein enormer Betrag, der die Jahresgehälter der meisten Ballplayer überstieg, obwohl es nur ein Zehntel von Ruths Salary darstellte. Owner Jacob Ruppert unterstützte Huggins vollständig, und Ruth musste sich entschuldigen.

Mit .290 AVG, 25 Home Runs und 66 RBIs in nur 98 Games hatte Ruth nach seinen Standards eine miserable Saison. Hochgerechnet auf 154 Spiele wären seine Zahlen immer noch schwach im Vergleich zu seinem Dekadenschnitt von .360 AVG, 49 Home Runs und 141 RBIs. Die Yankees beendeten die Saison folgerichtig auf dem peinlichen siebten Platz der American League.

Von den schwächelnden Yankees konnten die Washington Senators profitieren und sicherten sich ihre zweite aufeinanderfolgende AL Meisterschaft, diesmal deutlich einfacher als noch im Jahr zuvor. Der Schlüssel lag im noch stärkeren Pitching. Die Akquisitionen von Stan Coveleski (20-5, ligabester 2.84 ERA) und Southpaw Dutch Ruether (18-7) wurden unterschätzt, erwiesen sich aber als goldrichtig. Firpo Marberry etablierte sich als erster moderner Reliever mit 55 Relief Appearances und 15 Saves.

Walter Johnson blieb trotz Knöchelverletzung und Grippe das Herzstück der Rotation mit einem 20-7 Record. Bemerkenswert war sein .433 Batting Average in 97 At-Bats was bis heute die beste Saison eines Pitchers an der Plate überhaupt ist. Die Offense produzierte einen Franchise-Rekord mit .303 Team Average. Goose Goslin (.334, 18 HR, 113 RBIs) blieb der beste All-Around-Hitter, Sam Rice erreichte mit .350 seinen Karrierebestwert, und Shortstop Roger Peckingpaugh gewann trotz moderater Stats aufgrund seiner Leadership und Defense den AL MVP Award.

In der National League durchbrachen die Pittsburgh Pirates mit einer explosiven Offense die vierjährige Herrschaft der New York Giants. Die Bucs schlugen als Team .307, wobei bis auf Eddie Moore (.298) alle Starter über .300 lagen. Kiki Cuyler elektrisierte mit .357 AVG, 18 Home Runs, 43 Doubles, 26 Triples, 102 RBIs, 144 Runs und 41 Stolen Bases. Der 35-jährige May Carey stahl 46 Bases, wurde nur 11 mal dabei erwischt und lieferte einem Batting Average von .343.

Die 1925er World Series

In der World Series dominierte zunächst Walter Johnson und ließ in Games One und Four nur einen Run bei 13 Hits zu. Game One ist dabei bis heute der letzte Auswärtssieg der Franchise Washington Senators/Minnesota Twins in der World Series. Die Senators führten schnell 3-1, auch dank Sam Rices kontroversem Catch in Game Three. Rice verfolgte Earl Smiths Deep Drive zu den temporären Bleachers im Center Field von Griffith Stadium, verschwand über den Zaun in die erste Reihe und tauchte nach langer Pause (15 Sekunden) mit dem Ball wieder auf. Umpire Cy Rigler entschied auf Out, die Pirates protestierten vergeblich.

Washington konnte den 3-1 Vorteil und das Momentum aus Spiel 3 jedoch nicht nutzen. Die Pirates gewannen Game Five deutlich gegen Coveleski und drehten Game Six nach 0:2 Rückstand noch zum 3:2. Game Seven fand dann in Pittsburgh unter miserablen Wetterbedingungen statt, doch Commissioner Kenesaw Mountain Landis bestand darauf das Spiel auszutragen. Manager Bucky Harris startete Johnson trotz Regen und düsterer Verhältnisse. Nach acht Innings, neun Runs und 15 erlaubten Hits war klar, dass der 37-Jährige an diesem Tag nicht in Topform war. Kiki Cuylers Bases-Loaded Ground-Rule Double im achten Inning brachte drei Runs und brachte Pittsburgh die Führung zum 9:7-Comeback-Sieg und den World Series Titel.

Die durchschnittliche Zuschauerzahl der World Series 1925 betrug ca. 40.400 und die Spiele dauerten zwischen 1:57 und 2:31. Die Spiele waren also deutlich kürzer als heutzutage.

Das war's für den Rückblick auf die MLB Saison 1925 inklusive World Series, ich hoffe es war interssant für euch. Es sind noch 52 Tage bis Spring Training. Play Ball!

Hast du einen Kommentar zu diesem Post?

Falls Du einen Kommentar zum Artikel hast oder Dich darüber austauschen willst, schicke mir gerne eine eMail, oder kommentiere auf Social Media. Alle Social Media Kommentare werden unten aufgelistet. Ich freue mich darauf von Dir zu hören. Außerdem kannst Du den Newsletter abonnieren, dem WhatsApp Channel beitreten oder das Projekt direkt unterstützen.

Social Interactions

❤️ Likes: 0 | 🔁 Shares: 1 | 💬 Kommentare: 0