Ein Blick auf das Playoff-Rennen in der National League

Published on 17 July 2026 by Stefan Dillinger
1357 Wörter | 6 min Lesezeit
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Liebe Baseballgemeinde, nachdem ich am Mittwoch auf das Playoffrennen in der American League geblickt habe, ist nun die National League dran.

Im Vergleich zur AL gibt es in der NL dominantere, und im Gegensatz auch schwächere Teams. Die Dodgers führen die NL und auch die gesamte MLB mit einer Bilanz von 61-36 an, das entspricht einer Winning Percentage von 63%. Auch die Brewers mit 59-37 (61.5%) haben noch eine bessere Bilanz als die Rays auf der anderen Seite. Das Wildcard Rennen umfasst aber auch etwas weniger Teams als in der AL. Die Reds, Giants, Mets und Rockies haben schon mehr als 8 Spiele Rückstand und werden es schwer haben das noch aufzuholen. Schauen wir uns aber die Divisionen mal genauer an.

NL East



Alleine die NL East bietet so viele Geschichten und interessante Teams, dass ich hier schon 2000 Wörter verwenden könnte um alles zu beschreiben. Die Division wird seit dem 10. April von den Atlanta Braves (55-40, +92) angeführt. Anfang Juni waren sie 24 Spiele über .500 und sind seitdem etwas abgekühlt und sind nun 15 Spiele über .500 und nur noch 2 Spiele vor den Philadelphia Phillies (54-43, -10). Die Phillies dagegen waren Ende April gleichauf mit den Mets 10 Spiele unter .500, seitdem haben sie ihren Manager ausgetauscht und einen Turnaround hingelegt, der seinesgleichen sucht.

An was liegt es nun, dass die Braves abgekühlt sind? Wenn man sich die offensiven und defensiven Werte über die 3 kompletten Monate anschaut, wurden alle Metriken schlechter.

  • April: wRC+ 115 #4, Runs 177 #1, ERA 3,12 #2
  • Mai: wRC+ 101 #11, Runs 139 #6, ERA 3,22 #5
  • June: wRC+ 64 #30, Runs 77 #30, ERA 4,13 #10

Aber speziell in der Offensive ließen sie stark nach. Das liegt aber vor allem auch daran, dass ihr offensiver Cornerstone, Ronald Acuña Jr., nur 48 der 95 spiele gemacht hat. Aktuell ist er noch auf der IL, hat aber am Montag sein rehab assignment begonnen.

Wenn wir die gleiche Analyse für die Phillies machen sieht es folgendermaßen aus:

  • April: wRC+ 86 #27, Runs 118 #28, ERA 4,84 #27
  • Mai: wRC+ 81 #26, Runs 112 #22, ERA 3,19 #4
  • June: wRC+ 112 #10, Runs 153 #2, ERA 4,20 #12

Obwohl sie mit Kyle Schwarber den Homerun-Leader im Roster haben, haben sie sich vor allem im Pitching verbessert und die Offensive holte im Juni auf. Allerdings performen sie auch 6.5 Spiele über, was sich langfristig negativ auf die Chancen auf den Divisionssieg auswirken könnte.

Eine weitere Überraschung in der NL East sind die Miami Marlins (52-45, +24). Vergleichbar mit den Phillies starteten sie langsam hatten aber einen sehr starken Juni, in dem sie von 8 Spielen unter .500 auf 5 Spiele über .500 Ende Juni und in der Spitze 10 Spiele über .500 gingen. Getragen wurden sie dabei vor allem vom besten Pitching der Liga (3.01 ERA in Juni) um Sandy Alcantara und Max Meyer.

Die Washington Nationals (48-49, +7) bewegen sich die ganze Saison schon um die .500er Marke. Das ist aber auch nicht weiter verwunderlich, da sie auf beiden Seiten des Balls zu den Top Teams gehören. Sie scoren die meisten Runs, kassieren aber auch die drittmeisten Runs. Dabei ist das Starting Pitching mit einem ERA von 4.43 (#19) noch nicht einmal das größte Problem. Allerdings halten sie mit 414 IP (#29) durchschnittlich nicht mal 5 Innings durch und müssen an den Bullpen abgeben, der dann mit einem ERA von 5.07 (#27) die Spiele nicht nach Hause bringt.

Und dann sind da noch die New York Mets (40-57, -65), die mittlerweile auch den Manager gefeuert haben. Das hat ihnen aber auch keinen Boost gegeben und sie stehen aktuell bei 17 Spielen unter .500, die schlechteste Bilanz des Jahres. In der Offseason haben sie Bo Bichette geholt, der aktuell mit einem wRC+ von 89 deutlich unterperformt (2025: 134) und eventuell Anpassungsschwierigkeiten hat. Neben Bichette performt auch Francisco Lindor mit einem wRC+ von 90 unter (2025: 129). Nur Juan Soto kann von den großen drei mit einem wRC+ von 163 überzeugen. Insgesamt befinden sich die Mets bei den meisten Statistiken im hinteren Mittelfeld, sind aber nirgends absolut schlecht.

Es scheint also so, als würde sich an der Spitze der NL East ein Dreierrennen zwischen den Braves, den Phillies und den Marlins etablieren. Die Fragen die es wohl entscheiden werden sind: Kann Ronald Acuña Jr. die Offensive der Braves wieder reaktivieren? Bleibt das Pitching der Phillies so gut und bleibt Kyle Schwarbers Schläger so heiß? Können die Marlins den Schwung aus dem Juni über das All-Break retten? Fangraphs gibt den Braves 90.6%, den Phillies 85.7% und den Marlins 34.6% Playoffwahrscheinlichkeiten.

NL Central



Die NL Central wird von den Milwaukee Brewers (59-37, +126) dominiert, die bisher keine richtige Schwächephase zeigten. Die Dominanz kommt vor allem übers Pitching, mit ihren Duo Misiorowski/Harrison. Mit einem ERA von 3,48 sind die knapp hinter den Yankees die #2. Das Starting Pitching ist sogar das Beste. Mit 489 Runs scoren sie auf der anderen Seite die 4. meisten Runs.

Fünf Spiele dahinter folgen die Chicago Cubs (54-42, +52). Am 8. Mai standen die Cubs bei 15 Spielen über .500 und auf Platz 1 der Division. Bis zum 11.6 hatten sie dann eine Schwächephase, die sie bis zu einer ausgeglichenen Bilanz führte. Seitdem haben sie sich wieder gefangen und stehen nun 12 Spiele über .500. PCA hat aktuell mit 6.0 den höchsten WAR der Liga, und das mit einigem Abstand zu Bobby Witt Jr., mit einem wRC+ von 153 liegt er auch in der Spitzengruppe. Auf Teamebene liegen die Cubs beim wRC+ auf Platz 3 und im Pitching liegen sie nur auf Platz 21. Der einzige Starter mit über 100 IP ist aktuell Shota Imanaga, er hat aber auch nur einen ERA von 4.17. Für die Postseason brauchen die Cubs auf jeden Fall noch Stabilität im Pitching.

Dahinter geht es dann wohl nur noch über die Wildcard. Die St. Louis Cardinals (50-45, +6) und Pittsburgh Pirates (50-47, +44) stehen noch über .500. Die Pirates haben natürlich Paul Skenes aber in der Offensive mussten sie oft wegen Verletzungen auf Konnor Griffin verzichten. Am Ende der Divison stehen die Cincinnati Reds (43-52, -60), die seit Anfang Juni an Boden verlieren.

NL West



Kommen wir zur NL West, die, wie in den letzten Jahren, von den Los Angeles Dodgers (61-36, +149) dominiert wird. Und das obwohl zur Zeit 11 Spieler, drunter Enrique Hernández, Will Smith, Blake Treinen, Edwin Diaz, Tyler Glasnow, Blake Snell und Brusdar Graterol auf der IL sind. Trotzdem sind sie in allen relevanten Statistiken vorne mit dabei. In der Offseason hatten sie außerdem Kyle Tucker verpflichtet (4yr, $240M) aber er performt aktuell ziemlich durchschnittlich wRC+ 102, AVG .244, 7 HR. Fangraphs gibt ihnen 100% Playoff Wahrscheinlichkeit und 27,7% für den Gewinn der World Series. Ich denke dass die Division damit entschieden ist und keiner mehr die Dodgers einholen wird können.

Die Arizona Diamondbacks (49-47, -13) und San Diego Padres (48-48, -43) haben evtl noch eine Chance über die Wildcard, liegen dort aber auch schon 2.5 bzw 3.5 Spiele zurück. Sollten die Padres nochmal an die Form des Aprils und Mais anknüpfen können, könnte da evtl. nochmal was in Richtung Wildcard gehen, aber vor allem offensiv (wRC+ 90 #30, 379 Runs scored #30) sind die Leistungen enttäuschend.

Die San Francisco Giants (41-55, -64) und Colorado Rockies (39-59, -89) haben mit den Playoffs nichts mehr zu tun. Wer mehr über die Saison der Giants lesen mag, kann gerne bei meinem Artikel zur Lage der Giants vorbeischauen.

Wild Card



Aktuell halten die Cubs, Phillies und Marlins die Wildcards inne. Dahinter folgen die Cardinals (1 WCGB), Pirates (2 WCGB), D-Backs (2.5 WCGB), Padres (3.5 WCGB) und Nationals (4 WCGB) in Reichweite. Die Reds, Giants, Mets und Rockies sind schon mehr als eine Woche Baseball zurück. Laut Fangraphs haben die Cardinals eine 31%-ige Chance auf die Playoffs die Pirates rund 42%, die D-Backs 24%, und die Padres 11%. Ehrlicherweise rechne ich nicht damit, dass ein Team das aktuell außerhalb der Wildcard liegt es noch schafft die Cubs, Phillies oder Marlins einzuholen. Der Abstand ist zwar noch nicht groß, aber die drei genannten Teams sind aktuell einfach zu gut drauf als dass ich dagegen wetten wollen würde.

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